patrick floener

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es zerreißt mich
reizt mich
nagt an mir

ich vermiss’ dich
küss mich
bleibe hier

diese leere
schwere
meine gier

mein verlangen
gilt nur dir.

stets am träumen
treue
unserm wir

bis zum letzten
jetzt ver-
bleib ich hier.

werdung oder entsagung der individuation

betend, flehend sprach er zu den göttern,
den großen,
allmächtigen,
allwissenden.
"absolution" sprach er,
"selbstfindung, weisheit" rief er
doch die götter lachten.

von apoll zu dionysos zieht es
am ende
jeden.

gar der ordentlichste, selbszüchtigste geist verfällt den anzüglichen verlockungen des lebens,
schleichenden schrittes holt es ihn ein
und die götter lachen.

apollinische ideale weichen
dem dionysischen drang,
die ordnung dient dem chaos als nährboden
und er kniet weiterhin vor seinem altar,
weinend,
"ich kann nicht…" schluchzt er
harmonierend mit dem gelächter der götter.

nach dem verlust der form,
dem weichen der ordnung zugunsten des chaos,
der anerkennung der triebe und folglich einer hingabe an die heilige mutter,
dem versinken in ihrem schoße und die dadurch bedingte vollständige aufgabe der geistesgestützten, erfundenen individuellen identität,
hiernach lachen die götter und sagen:
"der mensch hat es geschafft."

kreuzfahrt

tag 1
liebestrunken schlummert tief
auf poseidons gründen
die liebe die micht einst verließ
nun will ich sie ergründen.

drum stoße ich und spring hinein
ins kühle, schwarze nass
von allen lastern nun befreit
entsagend allem hass

begebe ich mich auf die suche
nach lockgesanges quell.

tag 2
gewickelt in ein seidnes tuche
von allerhöchster qualität
verlasse ich die traute heimat
nichts hält mich mehr an ort und stell.

nur teures garn soll mich umspinnen
als schönstes kleide mich umweh’n
denn nur der eitle kann gewinnen
wonach ihm seine sinne steh’n.

mit dieser weisheit wohl gewappnet
und gegen niederes gefeit
entwachse ich den jünglingsschuhen
und gehe in die fluten ein.

tag 3
ich tauche tief bis auf den grund
in kurzen stößen atmend
verschwinde ich im meeresschlund
ein lächeln auf den lippen.

denn endlich bin dem alltag ich entwichen
habe mich den alten schuh’n entledigt
und offen sind mein herze und mein geiste
gierig nippend an dem lebenstrank.

schluck 1: ich lebe.
zweiter schluck: so köstlich schmeckt’s.
schluck 3: ich sehe.
vierter schluck: ich bin verliebt.
schluck 5 und sechster: nehmen, geben
und schon beim siebten: ausgeliebt.

so tragen mich des daseins wogen
seicht und rauh, so wie’s beliebt.

tag 4
ich erwache
fühle überreste schlechter träume
in die ich aus dem alltag floh.

tag 5
alles alte sei vergessen
und neues soll begleiter sein
frischen mutes für den tage
ich öffne mich, lass leben ein

und so bereits nach kurzer weile
verändert die umgebung sich
die see wird still, der wind erfrischt
und trägt mich wohl noch manche meile.

haltestelle

ich warte.
tage, nächte, wochen, jahre.
auf neues
veränderung
verbesserung
die genesung meines tormentierten geistes.
ich warte auf den erfolg.

den erfolg als die den menschen anbehaftete eigenschaft, welche zwingend die erfüllung in sich birgt, oder doch zumindest den weg dorthin ebnet.

es ist als müsste ich aufwachen und alles wäre anders. endlich würde mein überragender, kreativer geist anerkannt werden und schlagartig würde sich alle unruhe lösen und sich die tiefe ruhe des inneren glücks einstellen.

ich warte.
tage, wochen, monde, winter.
und nichts passiert.

dann endlich erkenne ich:
du bist dumm.
dem wartenden kommt weder glück noch erfolg.
der suchende braucht weder erfolg
noch stellt sich dem findenden glückseligkeit ein.
sie ist jeder zeit zugegen, ich muss mir lediglich den moment gönnen, sie zu erfahren.
nicht durch erfolg, weisheit, wissen, beziehung, familie oder sonstiges stellt sie sich ein.
nein.
sie ist bereits in mir verborgen, wartet -

genau wie ich.
sie wartet.
stund um stunde.
viele tage.
sie wartet.

darauf, dass ich den gequälten künstler, meine oftmals dominierende persönlichkeit ablege und erkenne:
I C H   B I N   Z U F R I E D E N.
darauf, dass ich der unruhe und dem inneren drang nach größerem absage und erkenne, dass es nicht auf äußerlichkeiten oder die wahrnehmung anderer ankommt.

und dann warte ich nicht mehr und wundere mich, warum ich so viel zeit verschwendet habe.

seitensprung

wenn du mir sagst:
liebe
so spüre ich ein zucken
gänsehaut im rücken
ein zittern in den beinen
du hälst mich für den einen?
schon forderst du zum tanz
ich zeig dir meinen
ehering.
ich bin bereits vergeben
kann mich dir nicht hingeben
denn es wäre falsch.

heuchlerisch wie dieses schandwerk ist die falsche liebe und die verleugnung des triebes des einzelnen welcher mitnichten ausgelebt werden muss, jedoch aber gedacht, gefühlt, bemerkt und vor allem als vorhanden anerkannt werden muss.

liebe
als gefühlte verbindung zweier menschen
als volle hingabe und durchdringende kraft
kennt kein falsch
und keine eheringe.

sie kennt nur den drang das dahinscheiden in einer verkommenen, leblosen, präsens-platonischen, rein aus bequemlichkeit weiterbestehenden beziehung zu durchbrechen. zumindest im geiste. alles weitere unterliegt den regeln der gesunden moralbehafteten menschlichen kommunikation.

verdammt.

sie läuft, sie rast, sie rennt
und an der kaum merkbaren vorwärtsbewegung des sekundenzeigers einer armbanduhr könnte ich sie verstreichen sehen, würde ich denn eine solche besitzen.
mit jedem wort, jedem getipptem buchstaben, jeder einzelnen wohllautenden silbe verklingt zugleich ein
tick tack, tick tack.

verdammt.

wir werden alt.
eine volle umkreisung unseres heimatplaneten um den roten feuerball besagt:
ein jahr älter.
ein jahr näher am tod.
ein weiteres jahr, in dem du nichts nennenswertes geleistet hast.
in der welt gibt es immer noch armut.
hunger.
elend.
kleine kinder starben.
ein jahr voll versagen, trotz allen anstrengungen.
einziges resultat:
der körper altert.
wird gebrechlich.
der schleichende verfall dieser maschine die unserem geist eine existenzgrundlage bietet schreitet unaufhaltsam fort.
es ist als ob ich es spüren könnte, als ob jede sich auflösende zelle schreit:
tick tack, tick tack.

verdammt.

und dann sind es zugleich auch noch die schönsten momente die am schnellsten verfliegen.
die momente der liebe, der körperlichkeit und der ruhe
statt der momente der krankheit, des hungers und unruhigen schlafes.
jeder gedanke pocht in meinem schädel
tick tack, tick tack.

verdammt.

und dann gilt es:
fresse halten.
durch das ständige beschweren wird die ganze kostbare zeit verschwendet.
es sind nicht die guten momente die schnell vorbeigehen, es ist das geläster durch das sie verkürzt werden, aus dem gedächtnis ausradiert, mikrochirurgisch durch einsatz des erbarmungslosen instruments der rethorik zerstört.
auf dass es nur schlechtes gibt und das gute ewig kurz währt.
auf dass wir kläglich täglich sekündlich hören:
tick tack, tick tack.

verdammt.

betrachtung einer schwedischen balletttänzerin und deren aufschluss über eine ihr vorangehende betrachtung einer verkäuferin von backwaren und heißgetränken

leicht verschmitzt mit güldnem haupte
weiblich und doch filigran
in schwerelosem schritt umtänzelnd
ward die schwedin mir gewahr.
figur und haute war durchzogen
von kleinsten fehlern - zauberhaft!
alsbald entstand die süße gleichung,
die brücke zu der bäckersfrau.
auch sie war blond und keinesweges
war ihr aussehn perfektion
doch beide - ach verzeihung - weiber
waren schönheit in person.

ich bin auch kreativ du arschloch

mit jedem heben meiner bruste löst
die kette, federweiche seelenfalle,
ihren druck bis plötzlich sie zerspringt
und zärtlich sanft von meinen gliedern gleitet.

nun bin ich frei.
ungebunden an
rhythmus
form
oder sonstigen
scheiß,
doch ist das denn eigentlich noch
kunst?
kann ich diese
metrumfreie
unversierte
strukturlose
exkremente
meines künstlerischen
geistes
immer noch als
kunst
bezeichnen? darf ich?

oder gilt es freie formen doch zu binden,
ihnen einen klang zu geben, schöne sprache
zu gebrauchen?

wenn nämlich
prosa
in gedichtform,
also rein wegen der druckform,
zur
dichtkunst - wird
ohne rhytmusmetrumtrallala,
dann kann jeder
esel
seinen dahingeschissenen,
erbrochenen worterguss
als höchste kunst bezeichnen.

paris

häuft die blöcke, türmt sie höher,
bauet tüchtig euch ein schloss,
dick und mächtig schnitzt die steine,
ziert mit marmor jede wand.

zeugt von bildung im gebilde,
täuscht von höherer gewalt,
dass dem betrachter träume kommen
von herrlich all erlangender pracht.

nimmer soll von armut zeugen
was der reiche mann erschuf,
stets der größe angemessen
die göttlich herz und geist vereint.

seht was ich vollbracht, geleistet,
sehet doch, wie bin ich stark!
in höchster ordnung aufgestapelt
baute ich dir eine stadt.

festungsmauern, ringsumgebend,
schützend dieses teuerste gut
und obgleich sie nur ersonnen,
lediglich der fantasie,

dem herz-bewegten sinn entsprungen
der lieblich diese worte türmt,
sie schnitzt und ziert und kunstvoll stapelt,
bis zur vollendung niemals ruht,

so sind sie stark und unbezwungen,
zweifelsohne sind sie echt
und hier sei tollstem tor gelungen
was kühnstem held sich nicht erschloss.

metaphysik

vom höchsten behende getragen
erhebt sich der prächtige schweif
und gleitet in ewigen zirkeln
die wärmende strömung empor.
ersuchend die lockende freiheit
die physis und jenseits eint
und all unserm menschlichen sinnen
die ersten gründe enthüllt.
zu ende sei all unser streben,
vorüber das ewige leid,
gefunden ward seines zwecke
und wir sind zu höherm bereit.

ach wäre doch dieser traume
bereits eine wirklichkeit!
wie wären wir endlich entbunden
vom laster der unwissenheit,
doch würden alsbald wir verschwinden,
das dasein, es würde getilgt,
denn ohne die leidige suche
ermangelt es diesem an sinn.