patrick floener

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metaphysik

vom höchsten behende getragen
erhebt sich der prächtige schweif
und gleitet in ewigen zirkeln
die wärmende strömung empor.
ersuchend die lockende freiheit
die physis und jenseits eint
und all unserm menschlichen sinnen
die ersten gründe enthüllt.
zu ende sei all unser streben,
vorüber das ewige leid,
gefunden ward seines zwecke
und wir sind zu höherm bereit.

ach wäre doch dieser traume
bereits eine wirklichkeit!
wie wären wir endlich entbunden
vom laster der unwissenheit,
doch würden alsbald wir verschwinden,
das dasein, es würde getilgt,
denn ohne die leidige suche
ermangelt es diesem an sinn.

an das morgige

mein kind, es gibt so viel im leben
sich anzuschaun und auch zu tun,
nach allerhöchstem kannst du streben
und erst am ziele willst du ruhn.
doch ach, vergesse nie das labsal,
in ihm wird lieb’ und freud’ gewebt,
sonst ziert der letzten stätte grabmal:
‘gestrebt nach höchstem. nie gelebt.’
ergib dich ab und an der muße,
feiere, trinke, singe, tanz,
erbiete fröhlich deinen gruße
dem nacht vertreibenden feuerkranz.
so sei seriös - doch nicht zu sehr!
erfreue dich der kleinen dinge
und weißt du keinen rate mehr,
stehst innerlich mit dir im ringe
so lasse recht und logik sein
und widme dich den andern freuden,
mit dies und jenem gläschen wein
wirst du nicht deine zeit vergeuden.

verstümmelung

erhaben sitzt das wohlgeformte haupt
auf jünglings stolzen, exerzierten schultern,
er trägt, in zierlich weiblich runder schrift,
eine sentenz mit tinte in den leib gegossen.

die worte, so simpel und stupide,
so einfach und dumm,
sein körper reizend aug-ergetzend,
so wunderbar hübsch,
in unberührter blüte,
jung und frisch.

verstümmelt.
entfremdet.
adonis fällt.

epilog im himmel

es trägt den toren, federleicht
zu höherem dasein, höheren welten
und alles böse blut entweicht
und nur die guten werte gelten
nachdem er den erneuten blick
auf jenes wesen haschen konnte,
das ihm verhieß sein liebesglück
und das man margarete nannte.

'o fausten' tönt der engelschor,
'endlich konntest du erreichen
unsre pforte, himmelstor,
mephisto konntest du entweichen.
doch wisse, auch in unserm reich
wird verlockung dir begegnen
und werden deine knie dir weich,
gedenkst dich ihr anheimzugeben

so lasse dich nicht darauf ein!
er würde dich zurückgewinnen!
du wärest dann auf ewig sein
und könntest nimmer ihm entrinnen.’

ww

allein der weise vermag zu tragen die krone
des wissens, des geistes, der liebe, des wesens der zeit,
er trägt sie erhaben uns weltlichen allen zur schau -
er trägt sie in allwissender demut.

fröhlich
singt der spatz:
tirili tirila tirili.

die amsel
anschließend:
tirili tirila tirili.

der kuckuck
erfreut sich
an ihrem gesang.

der weise, er lauschet den wundersamen stimmen,
hält inne und ruft aus: o ach, die welt
in all ihrer pracht ist eben gerade erwacht
und lieblich will sie uns die seele beleben.

so höret den rufe des wunders der heiligen schöpfung
erhebet die herzen, entbrennet in liebe zur welt
und all ihrer laster, in prächtiger schönheit erstrahlt
die verlockung in all ihren formen dem wissenden weisen.

du

es wärmt meinen körper der liebliche duft
von dir o göttlichem wesen,
du umgibst meinen geist mit himmlischer luft,
an dir soll mein herze genesen.

frühling 2

aus träumen erwachend befand er sich
inmitten der wirklichen welt,
endlich sind engelchens rufe verklungen,
die lockenden lichter des jenseits verblasst
und blinzelnd begrüßt er den phöbus:

  “o wärmender schein,
   heilges gestirn,
   endlich kann ich sehen,
   fühlen, riechen und erfahren
   was je ich nur erträumt.

   das leben hab ich wohl entdeckt,
   den eindruck den es hinterlässt
   im gestern, heut und morgen
   will ich fortan wohl verwöhnen,
   er ist mir größter schatz.”

es wurde nacht
dunkel-kühl
schwarz-willkommen
all-herum.

mich umarmend
zärtlich-süß
lieblich-schön
mit festem griff.

droben leuchtet
herrlich-lockend
engels-gülden
mir ein stern.

doch war erscheinung wirklich nachte
oder blickte ich in mich -
ins innerste der menschenseele
ungetrübt und klar hinein?

von äpfeln und stämmen

ein mann
verging sich
an seiner
tochter,
er liebte sie
in den
tod.

bevor jedoch
gebar sie ihm
ein kinde noch.

der mann
verging sich
auch
an dieser,
liebte
auch sie
in den tod.

bevor jedoch
gebar auch sie
ein kinde noch.

meanwhile
vergnügt
der manne sich
der süßen
zärtlichkeit,
des vaters
treue
ewig-treue
groß
enkel
kind
liebe
rein
platonisch
von natur.

der sohn
der enkel
enkels kind
ward leider
nur ein
mann.

als dieser
achtzehn
jahre ward
erfuhr er
seinen stamm;
draufhin
erschlug er
seinen
vater,
groß,
urgroß
sein knüppel.

seine
erste
tochter dann,
liebte
jüngling
sehr,
und lebte
vaters
groß
urgroßes
vorbild
weiter
fort.

die überwindung des selbst

singet dem ziehenden volke,
preiset das wandernde kind,
lobet die herrlichen winde,
gekrönt sei der menschen erfolg.

labet am fließenden honig
die zungen, genießenden geist
der liebend-endlichen weisheit.
tretet erhaben hervor

aus allumgebendem schatten
der all uns wesen gebar,
der wohl uns zu bewahren
und zu behüten hat.

dennoch muss dieser durchbrochen,
vom menschen verlassen sein
und wir um vergangenes weinen,
die freiheit - unser joch.

denn sie - die zarte verlockung,
vermeintliches menschliches ziel,
ist hartes ende der vielen
und selbst der stärksten noch,

namentlich sie zu erreichen
bedarf es der heiligen kraft
beständig sich neu zu erschaffen
und zu überwinden zugleich -

denn wie schon der weise bemerkte,
der erste der generation:
dass dort wo menschen wohnen
sich altes stets bewährt

und also sich nicht erneuert
was dringend erneuerung braucht;
ein ewig-im-kreise-laufen,
den greisen werten getreu.

kritik an sich selbst zu üben
soll sein unser tägliches brot
und sterben wir tausende tode
so seien wir darob vergnügt.